Beschränkter Einspruch zu Europas Gesetzen

Erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland vom 12. Juli 2010

Bundestag gibt sich neue Geschäftsordnung und stellt sich damit in Abseits

Von Dominic Heilig

Der Vertrag von Lissabon hat so einiges neu geordnet. Auch die Rechte der nationalen Parlamente sind betroffen. Im Bundesrat und im Bundestag scheint das noch nicht in voller Konsequenz verstanden worden zu sein.

Lange wurde in Europa über eine Verfassung gestritten. Am Ende hieß die Verfassung Vertrag von Lissabon und war weder les- noch nachvollziehbar. Die Debatten in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ebbten dennoch nicht ab. Im Bundestag beispielsweise stellte sich die Fraktion der Linken gegen das Vertragswerk, konnte aber die Abstimmung über das Vertragswerk der Regierungschefs am 25. April 2008 nicht für sich entscheiden. Neben Einzelpersonen zog daraufhin auch die Linksfraktion vors Bundesverfassungsgericht und errang ein Teilerfolg. Am 30. Juni 2009 wies das Verfassungsgericht zwar die Organklagen zurück, stellte jedoch fest, dass die in Artikel 38 und 23 Grundgesetz festgeschriebenen Beteiligungsrechte der beiden deutschen Parlamentskammern nicht ausreichend gewürdigt worden seien. Mit einer Sondersitzung des Bundestages am 8. September 2009 wurden die nachgebesserten Gesetze zur Unterrichtung und Beteiligung des Bundestages und Bundesrates in Gesetzgebungsprozessen auf europäischer Ebene schließlich verabschiedet und wenig später der Vertrag von Lissabon ratifiziert. (continue reading…)


Europas gläserner Bankkunde wird abgesegnet

Erschienen in der sozialistischen Tageszeitung Neues Deutschland vom 8. Juli 2010

EU-Parlament gibt Widerstand gegen neues Bankdatenabkommen mit den USA auf

Von Dominic Heilig

Nach der Zustimmung des Rechtsausschusses des Europäischen Parlaments (EP) zu einem neuen Abkommen über den Austausch von Bankdaten zwischen der Europäischen Union und den USA ist die Zustimmung im Plenum des EP an diesem Donnerstagvormittag nur noch Formsache. Placebo-Nachverhandlungen und eine vermeintlich wachsende Sicherheitslücke im Kampf gegen den internationalen Terrorismus ließen auch Sozialdemokraten und Liberale einknicken.

Das jahrelange Tauziehen um die Übermittlung von Bankdaten an das US-Heimatschutzministerium und rund 20 weitere US-Geheimdienste wird mit der heute zu erwartenden Zustimmung des EP sein Ende finden. Mit ihrer Ablehnung des neuen Bankdatenabkommens werden Vereinigte Linke und Grüne ziemlich einsam dastehen. Noch im Februar hatte eine weit größere Front, der auch Liberale und Sozialdemokraten angehörten, ein erstes Abkommen abgelehnt. Mit diesem sollte eine seit 2001 teilweise rechtswidrig praktizierte Übermittlung von Bankdaten an die USA legalisiert werden. Millionen internationale Bankdaten wurden so in den letzten Jahren auf Vorrat weitergereicht. EU-Bürger, die Finanzaktivitäten mit dem außereuropäischen Ausland abwickelten, konnten dadurch ins Visier US-amerikanischer Terrorfahnder geraten. Verdächtig machte sich bereits jeder, der einer humanitären Organisation in Afghanistan, Jemen oder Irak Geld spendete. (continue reading…)


Der Bundestag und die Rüge

Die Kolumne ist am 18. Juni 2010 in der Tageszeitung “Neues Deutschland” erschienen

Die EU ist ein beliebter Spielball. Zwischen Mitgliedstaaten, in den Ministerräten, besonders aber zwischen Regierungen und Parlamenten auf nationaler wie regionaler Ebene. Klassenprimus in diesem nur für wenige zu durchschauenden Schauspiel ist die deutsche Regierung. Wir erinnern uns: Nach Protesten gegen neue Sicherheitsgesetze wie der Speicherung von Flugpassagierdaten oder dem Bankdatenabkommen (SWIFT) verwies allen voran Ex-Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit mahnendem Finger auf die europäische Ebene. Über Jahre wurde so versucht, die deutsche Beteiligung vergessen zu machen und den Schwarzen Peter nach Brüssel zu schieben. Mit dem EU-Vertrag von Lissabon wurde das schwieriger. Augenscheinlich hat die Koalition noch kein probates Mittel gefunden, um die eigene Verantwortung erneut zu vertuschen. Denn bei aller Kritik am Vertrag enthält dieser Mitwirkungsrechte für nationale Parlamente im europäischen Gesetzgebungsverfahren. (continue reading…)


Zum Austritt aus dem Forum demokratischer Sozialismus (fds)

Erklärung vom 12. Mai 2010

Liebe Genossinnen und Genossen des fds,

ich habe sehr lange nachgedacht, Folgen wie Ursachen für diesen Schritt und vor allem des Zeitpunkts hin- und hergewälzt. Dennoch: In dieser Situation bleibt mir leider nichts anderes übrig, als meiner Strömung, dem Forum demokratischer Sozialismus (fds), den Rücken zu kehren.

Dass es zu diesem Schritt gekommen ist, bedauere ich gerade vor dem Hintergrund, dass ich neben anderen zu den Gründungsmitgliedern des fds und dessen Vorläufer „Forum 2. Erneuerung“ gehörte. Ich habe an der Gründung des fds bzw. F2E mitgewirkt und dessen politische Ausrichtung solidarisch und initiativ begleitet, ja sogar als Mitglied des fds auf Bundesparteitagen kandidiert.

Leider ließen sich in den zurückliegenden Monaten meine politischen Vorstellungen und die Gründungsfundamente des fds immer weniger mit denen des heutigen „offziellen“ fds vereinbaren. Mehrere Versuche, auf problematische inhaltliche wie strategische Entwicklungen innerhalb des Forums aufmerksam zu machen und eine Kurskorrektur einzuschlagen, waren nicht erfolgreich. (continue reading…)


Buch: “Die Linke in Europa” – nun auch in englischer und spanischer Sprache erhältlich

Bereits im Jahre 2008 saßen in einem kleinen Kreis Autoren und Mitarbeiterinnen der Rosa-Luxemburg-Stiftung aus Brüssel und Berlin zusammen und brühteten über einem bislang einmaligen Buchprojekt. Von den Mainstreammedien oftmals ignoriert, von der Parteienforschung und der Politikwissenschaft zu stiefmütterlich und ungenau untersucht und dargestellt sollten mit dem Buchprojekt “Die Linke in Europa” erstmals Parteien der radikalen Linken in komprimierter Form vorgestellt werden. 2009 wurde dann nach harter Arbeit die erste Ausgabe des Buches bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht. Das 23 europäische Staaten und deren Parteien links der Sozialdemokratie zusammenfassende Buch erschien noch im selben Jahr auch in englischer Sprache. Nun ist das Werk auch in Spanisch erhältlich.

In Kürze wird Band 2 des Studienbuches – ebenfalls von Cornelia Hildebrandt und Borgit Daiber in der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegeben - erscheinen. Hier aber für die Vorfreude auf den zweiten Teil ein Link zum ersten, in drei Sprachen veröffentlichten Buch “Die Linke in Europa (deutsch, englich, spanisch)”


Europas Linke auf der Suche nach einer neuen Strategie

Erschienen in der Tageszeitung “Neues Deutschland”, vom 7. Mai 2010

Von Dominic Heilig, Odense

Nach den für sie stabilen Umfragewerten der vergangenen Monate drängen die dänischen Volkssozialisten (SF) nun auf eine Mitte-Links-Regierung. Auf ihrem Parteitag in Odense vor wenigen Tagen stellte die Socialistik Folkeparti ihre Strategie vor. Eine Debatte, die die gesamte Linke in Europa erfassen wird. »Die Gesellschaft von morgen wird jetzt aufgebaut«, rief der Vorsitzende der Volkssozialisten, Villy Søvndal, den Delegierten zu Beginn seiner Grundsatzrede zu. Und die wurde trotz des medial vorausgesagten Streits mit viel Zuspruch aufgenommen. Denn Søvndal gelang es nicht nur zu erklären, was die dänische Linkspartei nicht will, sondern vor allem realistisch darzulegen, worin der Wert einer Mitte-Links-Regierung besteht. »In fünf Jahren«, so Søvndal, »wollen wir den Wohlfahrtsstaat neu aufgestellt haben, mit einem besseren Schulsystem und einem sozial gerechten Gesundheitssystem. Grundlage für unsere Vision ist ein einfacheres und solidarischeres Steuersystem.« (continue reading…)


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